llgemeine Zeitung


10.01.2016 Interview im Radio

Die Sendung "Sonntagsgalerie" auf SWR4 hat mich am Sonntag, den 10.1.2016 zu einem Interview plus Lesung aus der Neuerscheinung "Syrische Spuren" eingeladen.

22.12.2015 Interview in der SWR Landesschau

Am 22.12. war ich zu Gast beim SWR Fernsehen und mein Buch "Syrische Spuren" wurde in der Landesschau vorgestellt. Wer den Beitrag gerne sehen möchte, dies ist möglich über die Mediathek des swr:

http://swrmediathek.de/player.htm?show=fbc05480-a8de-11e5-aa95-0026b975e0ea

Borromäusverein Bonn schreibt im Juni 2016:

Allgemeine Zeitung vom 17.11.2016

„Syrische Spuren“ von Ulrike Piechota

Von Rose-Marie Forsthofer

BAD KREUZNACH - Said geht es gut. Seit 40 Jahren lebt der 63-jährige Syrer in Deutschland, betreibt seine florierende Praxis als niedergelassener Arzt und Chirurg in Bad Kreuznach. Aber geht es ihm wirklich gut? Fünf Jahre tobt nun der Krieg in seinem Heimatland, treibt ihn die Sorge um seine Verwandten in Damaskus um, täglich, stündlich. Zwei aufsehenerregende Morde an Syrern in dem Nahestädtchen haben auf undurchsichtige Art und Weise mit Said zu tun, führen ihm zudem in Erinnerungen und Träumen immer wieder seine nicht gerade glückliche Kindheit und Jugend in Nahost vor Augen. Und seinen schwierigen Start als Fremder in Deutschland, ratlos den Unwägbarkeiten deutscher Bürokratie ausgeliefert, der Sprache nicht mächtig, ohne Unterstützer, ohne Familie.

Als dann noch Saids Schwestern dem Bürgerkrieg für die Dauer eines mehrwöchigen Besuchs entfliehen wollen und ein schwer verletztes syrisches Kind seiner Hilfe bedarf, sieht sich der bekennende Einzelgänger mit Ereignissen und Menschen konfrontiert, die ihm schmerzhaft seine Vergangenheit und aktuelle Lebenssituation bewusst machen. Gegenwärtige politische Ereignisse, reale Vorkommnisse und Personen und fiktive Begebenheiten hat die Bad Kreuznacher Schriftstellerin Ulrike Piechota in ihrem Roman „Syrische Spuren“ zu zusammengeführt. Dabei erweist sich die Aufklärung der beiden Verbrechen als spannend, die eigentliche Attraktion für den Leser stellt jedoch die differenzierte Schilderung der seelischen Befindlichkeit des Immigranten, gläubigen Moslems, angepassten Deutschen und erfolgreichen Mediziners Said dar. Und die teils schockierenden Einblicke in syrische Lebensverhältnisse heute und früher. Es entsteht ein differenziertes Bild eines Einwanderers mit Wurzeln in zwei Kulturen. Der 550-Seiten-Roman fördert das Verständnis für Menschen in ähnlicher Lebenslage. Und genau dies ist heute dringend notwendig. Ulrike Piechota hat mit ihrem Werk Brücken gebaut.

Ulrike Piechota liest in Warmsroth aus ihrem neuesten Buch „Syrische Spuren“

Von Benjamin Hilger

WARMSROTH - Zum inzwischen dritten Mal organisierte Büchereileiterin Ursula Staedler eine Autorenlesung in den Büchereiräumen des Gemeindehauses. Auch die dritte Ausgabe erfreute sich großer Beliebtheit. „Über 60 Anmeldungen“, strahlte Staedler. Für die jüngste Ausgabe war es der Leiterin gelungen, die Bad Kreuznacher Schriftstellerin Ulrike Piechota zu gewinnen, die unter anderem aus ihrem erst vor einem Monat erschienen Werk „Syrische Spuren“ las.

In der Kurzbeschreibung des Buches auf der Rückseite zeigt sich dessen Aktualität. Denn die Hauptfigur, der aus Syrien stammende Said, muss im Laufe der Erzählung erkennen, „Krieg und Ausländerfeindlichkeit machen vor keiner Grenze Halt“. Wenn dies auch nicht erst seit den furchtbaren Anschlägen in Paris vom vergangenen Freitag klar ist, brach die Erkenntnis durch diesen Terror in einer Deutlichkeit in die Köpfe der Menschen, die kaum zu überbieten ist. Piechota sagt selbst, sie wollte eigentlich ungern derart Recht haben. „Ich wusste beim Schreiben noch nicht, dass das Buch so hochaktuell sein wird.“

Aus Syrien zum Studium

Eben genau jene Realität rund um das Flüchtlingsthema und den Krieg, der vor Grenzen keinen Halt macht, bringt die Besonderheit dieses Werkes zu Tage. Denn nicht nur das Thema, sondern auch die handelnde Hauptperson entspricht der Realität. Rund um viele reale Aspekte ist es der Schriftstellerin gelungen, mit wahren und erfundenen Bestandteilen einen Roman zu kreieren, der auch so dieser Tage hätte tatsächlich passiert sein können.

Denn das Buch zeigt den Weg eines jungen Mannes aus Syrien nach Deutschland. Er schafft es als eines von neun Kindern, ohne Geld in der Tasche, Medizin zu studieren und schließlich nach verschiedenen Anstellungen in Kliniken als niedergelassener Chirurg in Bad Kreuznach zu praktizieren. Bei dem Arzt handelt es sich um Dr. Said Shehadat, der tatsächlich in Bad Kreuznach eine Praxis betreibt. 1978 schon verließ er Syrien und blieb nach seinem Studium in Deutschland. „Eher zufällig“, weiß Piechota, die sich neben vielen Gesprächen mit Dr. Shehadat auch tiefgehend über die Kriegszustände in Syrien, das Assad-Regime und die Probleme, die Nichtanhänger des Despoten in ihrem Heimatland haben, informierte.

„In Syrien hätte Said keine Chance gehabt, eine Stelle als Arzt zu bekommen“, erklärt die Schriftstellerin im Gespräch. Eigentlich sei er dennoch einst schon auf dem Weg zurück in sein Heimatland gewesen, als ihn in der Abflughalle am Frankfurter Flughafen ein Anruf erreichte, in dem ihm eine Arztstelle in einer Klinik in Deutschland angeboten wurde. Ohne jede Zeit, darüber nachzudenken, entschloss sich der Syrer, in Deutschland zu bleiben, die Stelle anzunehmen und den Flug in sein Heimatland sausen zu lassen.

Die Schriftstellerin geht in ihrem Buch aber weit über die Biografie des Bad Kreuznacher Arztes hinaus. Neben den realen Erinnerungen und Träumen von Dr. Shehadat sind es immer wieder erfundene Handlungen, die den politischen Roman füllen. So ist es eben der Mord an einem Syrer in der Nähe der Praxis Saids, der den Krieg auch über die Grenzen hinweg nach Deutschland kommen lässt. Zwei weitere Morde folgen, während die Polizei nur lasch nach den Hintermännern der Verbrechen ermittelt.

Doch es ist eben nicht nur der fiktive Mord an syrischen Flüchtlingen, der einen möglichen Hang zum Hier und Jetzt aufzeigt. Es ist auch der junge Deutsche, der sich zunächst dem rechten Spektrum anschließt, später aber selbst nach Syrien aufbricht, um für den IS in den Krieg zu ziehen. Unglaublich viele Parallelen zeigen, wie nahe die Autorin die mögliche Gegenwart beschrieben hat.

Und dennoch, das Buch soll auch einen Schimmer Hoffnung für das Ende des Krieges geben. Wenn auch Said diese Hoffnung im Laufe des Buches immer mehr verliert, bleibe immer ein Rest Hoffnung. Dies sei auch in Wirklichkeit so, denn Schriftstellerin und Arzt haben beschlossen: „Ist der Krieg endlich beendet, fahren wir zusammen nach Syrien.“

"Syrische Spuren" ...Allgemeine Zeitung vom 29.12.2014 / Lokales

Arm in der Kindheit, verzweifelt in der Fremde - ROMAN Ulrike Piechota zeichnet in "Syrische Spuren" viele Lebensphasen des in Bad Kreuznach wirkenden Chirurgen Said Schehadat nach

Von Laura Schöffel

Bad Kreuznach. Said wächst auf mit neun Geschwistern. Er wie auch die anderen Kinder der in Damaskus lebenden Familie hat nur eine Hose und ein Hemd. Werden diese gewaschen, kann er nicht aus dem Haus gehen. Die Sehenswürdigkeiten, die Landschaften seiner Heimat in Syrien, vieles hat er nie gesehen oder der Mittsechziger erinnert sich heute nicht mehr daran.

"Dafür hat man keinen Sinn, wenn man hungert", erklärt er. Nach Deutschland Ohne einen Pfennig Geld wagt er ein Medizinstudium, macht die Prüfungen stets drei Monate später als seine Kommilitonen, damit er deren Bücher ausleihen kann. Weil er nicht in der Baath-Partei ist, findet er keine Anstellung in Syrien und wandert schließlich nach Deutschland aus. Said ist eine Romanfigur, dennoch beruht seine Geschichte auf einer wahren Begebenheit, sie erzählt das Leben des in Bad Kreuznach praktizierenden Chirurgen Said Schehadat. Nach einer langen und schwierigen Behandlung bei dem Arzt wollte die Bad Kreuznacher Schriftstellerin Ulrike Piechota das Thema anpacken. "Bei all den Besuchen in seiner Praxis kamen wir ins Gespräch und ich erfuhr einiges über sein Leben", erinnert sich die Autorin, die schon rund 30 Werke in ganz verschiedenen Genres veröffentlicht hat. Aus dem Scherz des Arztes, ein Buch über ihn zu schreiben, machte Piechota Ernst. Ein Jahr saß sie jede Woche einmal mit dem Chirurgen zusammen, der 1978 nach Deutschland gekommen ist, und hörte sich dessen Lebensgeschichte an. Nach einem weiteren Jahr ist ihr Werk mit dem Arbeitstitel "Syrische Spuren" fertiggestellt. Piechota sucht nun einen Verlag für ihren Roman.

"Wir hören heute viel über syrische Flüchtlinge. Aber wie es so einem Menschen wirklich zumute ist, was er durchmachen musste, das wissen wir nicht", betont sie. So erzählt "Syrische Spuren" in kleinen Episoden vom Leben des syrischen Chirurgen. Die Traurigkeit seiner Kindheit in Armut, die Verzweiflung in der Fremde ohne Sprachkenntnisse oder Freunde, die erfahrene Enttäuschung über die deutsche Bürokratie, aber auch über die Antriebslosigkeit, die zuweilen in seiner Heimat herrscht - all das schildert Piechota in Form von Gesprächen, Träumen und anderen Rückblicken. Obwohl sie dabei nicht chronologisch vorgeht, erhält der Leser ein umfassendes Bild über das Leben eines Mannes, "der die arabischen Wurzeln nicht verlieren und doch die neuen Wurzeln akzeptieren wollte".

Um diese Diskrepanz und den Charakter des Chirurgen darzustellen, interagiert er im Roman mit anderen, jedoch fiktiven Figuren. Ein deutscher Arzt, der im Kriseneinsatz in Syrien tätig wird, sowie ein zum Islam konvertierter Jugendlicher bringen die Kontroversen des Themas in das Werk. Schleppende Ermittlungen um zwei erschossene Syrer runden die Problematik ab. Wie das war, das ganze Leben noch einmal Revue passieren zu lassen? Schehadat selbst wirkt gelassen und abgeklärt. "Was heißt schon Traurigkeit? Man kann nicht ändern, was Gott uns gibt. Manche sind arm, andere reich, Die einen dürfen studieren, die anderen nicht."

10.01.2016 Interview im Radio

Die Sendung "Sonntagsgalerie" auf SWR4 hat mich am Sonntag, den 10.1.2016 zu einem Interview plus Lesung eingeladen.

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22.12.2016 Interview in der SWR Landesschau

Am 22.12. war ich zu Gast beim SWR Fernsehen und mein Buch "Syrische Spuren" wurde in der Landesschau vorgestellt. Wer den Beitrag gerne sehen möchte, dies ist möglich über die Mediathek des swr:

http://swrmediathek.de/player.htm?show=fbc05480-a8de-11e5-aa95-0026b975e0ea

Rezension vom 7.01.2010, Öffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach:

Rezension Allgemeine Zeitung, Bad Kreuznach:

   

Jetzt oder nie!
Liebevoll gepflegte Selbstgerechtigkeit
Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach vom 2.12.2008,
Autor Fred Lex

Das Leben kann echt häßlich sein. Es fordert von uns öfters als uns lieb ist, klare Entscheidungen. Und dann heißt es: jetzt oder nie! Wie wir uns auch immer verhalten werden: sowohl das "jetzt" als auch das "nie" kann richtig sein. Dumm ist nur: in den meisten Fällen lassen sich die Folgen unseres Handelns nicht voraussehen. Anders bei Ulrike Piechota. Die Schriftstellerin aus Bad Münstrer am Stein beschreibt in 25 so genannten 'Alltagsgrotesken' mit Humor, Ironie und mildem Spott, wohin es führen kann, wenn wir uns so oder so entscheiden, zeigt also beide Möglichkeiten. "Jetzt oder nie" heißt auch der Titel ihres Taschenbuches.

 
Manchmal steckt der Stoff für einen Roman in ihren Geschichten. Zum Beispiel im Fall von Amalie, die ihrem Ehemann Albert beim Handwerken die Leiter hält und in diesem Moment den Lebensfilm vor ihrem inneren Auge vorbeiziehen läßt. Warum hatte sie Albert vor vierzig Jahren eigentlich geheiratet? Jetzt könnte sie die Leiter loslassen und ein neues Leben beginnen.  Das wäre der Ansatzpunkt füreinen epochalen Rückblick auf eine gescheiterte Ehe. Doch Ulrike Piechotas Texte sind gottlob von ganz anderer Natur. Die Autorin wählt die satirische Kurzgeschichte, in der sie im Verlauf einer spannenden Inszenierung schnell auf die Pointe zusteuert.

 
Bisweilen kommen uns ihre Geschichten bekannt vor. Haben wir das nicht selbst schon mal erlebt? Die Autorin liegt mit ihren Texten tatsächlich immer nah am Alltag. zum Beispiel im Fall des Spaziergängers Jasper, der zwei Kinder beim Naturfrevel ertappt und nun gerne der ganzen Familie eine umweltpädagogische Standpauke halten möchte oder in Bezug auf die Gartenbesitzerin Ottilie, die ein raffiniertes Konzept entwickelt um Ball spielende Nachbarskinder zu vertreiben. Der Leser bekommt es mit Menschen zu tun, die liebevoll ihre Selbstgerechtigkeit pflegen und es nicht an Belehrungen für ihre Mitmenschen fehlen lassen. 

 
Immer wieder widmet Ulrike Piechota auch Pfarrern ihre Aufmerksamkeit, besodners wenn es sich um Persönlichkeiten handelt, die mit ihrem ausgeprägten Gefühl für Respekt auf simple Bedürfnisse des Alltags stoßen. Etwa wenn in einem Haus der Kirche ein Mensch eine Toilette aufsuchen will, wozu er nicht priviligiert ist.

  Dass die Autorin alle diese Befindlichkeiten unserer Mitmenschen durchschaut und mit liebenswürdigem Spott begleitet, macht den besonderen Unterhaltungswert dieser Geschichten aus. Wie bei den "Leiden des alten Wärther", einer ähnlich amüsanten Sammlung menschlich-allzumenschlicher Eigentümlichkeiten, mit der die Autorin im vorigen Jahr an die Öffentlichkeit trat, wird auch ihre diesjährige Arbeit für anhaltende Aufheiterung sorgen.

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Wärthers Leiden - zum Lachen
MH, Wochenspiegel, Ba, 21.11.2007


Das Altern ist ein ernst zu nehmender Prozess, ohne Zweifel. Doch überall, wo
Ernst in Ausweglosigkeit abzusinken droht, gibt's auch Rettung. Sie naht uns zum Beispiel in Gestalt von Ulrike Piechota, die in ihrem neuen Buch diesen ganz besonderen Lebensabschnitt einer ganz besonderen Betrachtung unterzieht, nämlich im Licht des Humors. Sie lässt uns in kurzen Szenen auf 154 Seiten teilhaben an den "Leiden des alten Wärther", eines 80-jährigen, leicht cholerischen Herrn, und gibt damit denen, die sich bereits im Seniorenstand befinden oder auf dem Weg dorthin sind, Gelegenheit zu einem Lesevergnügen der besonders heiteren Art. Im hohen Alter hat Adalbert Wärther die "Leiden des jungen Werthers", Goethes Bestseller von Anno dazumal, in die Hand genommen. Er ärgert sich über den jungen Werther, der sich aus Liebeskummer erschossen hat. Was ist schon Liebeskummer gegen die Leiden, denen sich ein alter Mensch ausgesetzt sieht. Da sind zum Beispiel die schrecklichen Stiche im Magen- und Herzbereich, die kein Arzt erklären will. Natürlich, die Doktoren haben doch die Alten längst abgeschrieben. Nimmt überhaupt einer die Alten noch für voll? Adalbert Wärther zweifelt daran und bekommt überall eine Bestätigung seiner These. Im Seniorenkreis, wo bastelnde Witwen den einzigen Herrn mit stürmischem Beifall begrüßen, endet der Probebesuch mit seinem knallharten Ab- gang. Auch die liebevollen Empfehlungen der Sozialstation, zum Beispiel hinsichtlich eines altersgerechten Toilettensitzes, bringen Adalbert Wärther an den Rand der Tätlichkeit. Selbst der eigene Sohn kann nur hörbar aufseufzen, wenn der Vater wieder einmal an der Ungehörigkeit seiner Mitmenschen verzweifelt und beim Beerdigungskaffee mit der Faust auf den Tisch schlägt, dass es nur so spritzt. Ulrike Piechota zeichnet diese Szenen aus dem Alltagsleben des Seniorenstandes mit dem Gefühl eines Beobachters auf, der viel erlebt und sehr genau hingeschaut hat, aber nicht verzweifelt ist. Der widerborstige und rechthaberische Alte, der nach jedem Kapitel gebetsmühlenartig im Geist den jungen Werther abmahnt, bleibt unbelehrbar. Unter dem sanften Licht der Ironie und des Humors betrachtet gewinnen die Probleme des Alters jedoch eine reizvolle Verklärung und lösen am Ende ein behagliches Schmunzeln oder gar ein herzhaftes Lachen aus. Der Autorin ist es gelungen, uns Leser für die Ferien(aber auch darüber hinaus) mit einem Buch voller Verständnis, Menschlichkeit und Heiterkeit zu versorgen.

Die Titelillustration des Piechota-Buches stammt von ihrer Tochter, Sonja Piechota-Schober. - -

Im Goetheschen Schaffenswerk ist für jedermann etwas zu finden. Diese Aussage wurde vor fünfundsiebzig Jahren von Thomas Mann konstatiert. Aus damaliger Sicht betrachtet, wurde der Universalgelehrte uralt. Doch wie geht es heute einem Menschen, der vor der Lebenskrise des "sich-mit-dem-Altsein-abfinden-müssen" und der letzten Station Altenheim steht und nicht Goethe ist? Diesem Thema hat sich Ulrike Piechota in ihrem neuesten Buch "Die Leiden des alten Wärther" angenommen. In zweiundzwanzig kurzen Abschnitten wird dem Leser die Welt eines Achtzigjährigen eröffnet. Auf humorvolle wie liebevolle Weise hat Piechota den eigenbrötlerischen alten Kauz Adalbert Wärther porträtiert. Bewusst wählte sie den Titel in Anlehnung an Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther", in dem sich die junge Hauptfigur wegen Liebeskummer erschießt. Der alte Wärther hingegen ist keiner, der bei der Wahrheit gleich zum Revolver greift. Wärther hält seine Leiden und die Reaktionen seiner Umwelt auf das Alter bis zuletzt aus. Ein Held, weil er sich dem Leben stellt. Das Buch zeigt hemmungslos den Verfall des Alters auf, bleibt dabei jedoch immer auf Seiten des Protagonisten. Es ist diese Aufrichtigkeit, die die humane Qualität der Erzählung ausmacht und dem Alter eine Stimme gibt. Der personale Erzähler spiegelt dem Leser dabei Wärthers Perspektive wider. Ein gerüttelt Maß an Witz steckt trotz der garstigen Ernsthaftigkeit in dem Roman,der zum Lachen reizt. Durch frische Alltagssprachlichkeit und übertrieben dargestellte Ängste vor dem Alter, schafft es Piechota ihrem Roman eine Empfindsamkeit zu verleihen, die für den Leser in größeres Verständnis für Ältere gipfeln könnte. …